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Impulsbeitrag: Die neue Rolle der IT-Systemhäuser

Der Mittelstand gehört zu den Grundfesten unserer Wirtschaft. Von seiner Innovationsstärke hängen der Wohlstand unseres Landes, die Wettbewerbsfähigkeit und der Absatz weltweit ab. Betrachtet man sich die Arbeitsplatzentwicklung, Patentanmeldungen und Exportzahlen in der deutschen Wirtschaft, waren und sind wir auf einem guten Weg. Nicht zuletzt deshalb, weil der Grad der Digitalisierung und Prozessunterstützung durch IT in den Unternehmen immer weiter voranschreitet.

Die Welt verändert sich mit immer größerer Geschwindigkeit

Ob diese Dynamik nun zum Guten oder Schlechten für uns alle ist, liegt im Auge des Betrachters. Sie führt aber zu einer „Unberechenbarkeit“ der Märkte und somit auch zu mehr Risiko, denen die Unternehmen direkt, wenn nicht vorausschauend, begegnen müssen. Darunter fallen beispielsweise

  • nicht vorhersehbare Veränderungen mit weltweiter Tragweite,
  • die Abkehr der Zielgruppen von Althergebrachtem,
  • das Auftreten neuer globaler Wettbewerber,
  • die mögliche Veränderung der politischen Rahmenbedingungen in den Zielmärkten.

Es ist nicht davon auszugehen, dass sich das Geschäft „entschleunigen“ wird. Das Gegenteil wird der Fall sein. Deshalb empfiehlt es sich, die Nase in den Wind zu strecken und den Businesshorizont im Auge zu behalten.

Bauchentscheidungen weichen in mittelständischen Unternehmen der Analyse

Also was erwarten die Geschäftspartner heute konkret vom Mittelstand? Zum Beispiel schnelle Kommunikations- und Entscheidungswege. Welche Erwartungen haben ferner die Finanzpartner? Maximale Transparenz und Detailschärfe im Zahlenwerk. Und die Kunden? Die erwarten zum Beispiel die Abbildung der Lieferkette in Echtzeit. Wer als Unternehmenslenker weiter als der Wettbewerb in die Zukunft blickt und auch für komplexe Szenarien geeignete Maßnahmen vordenken kann, stellt rechtzeitig die Weichen für sein eigenes, robustes Business. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist es, dass „handfeste“ Informationen auf der Basis aktueller Daten ohne Zeitverlust gewonnen und ausgewertet und als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden müssen.

Hat sich das Gros der Unternehmen bereits auf den Weg gemacht?

In einer Deloitte-Studie heißt es unter anderem: „Der Mittelstand ist integrativer Bestandteil der digitalen Revolution.“ Unserer Ansicht nach herrscht in vielen Unternehmen aber immer noch die Meinung vor, dass das bewährte, gut gepflegte und im Prinzip funktionierende Produktionssystem mitsamt der dahinter stehenden IT ausreicht, um weiterhin erfolgreich zu bleiben. Dieser Trugschluss ist aus der Welt zu schaffen. Jede verzögerte Erneuerung der IT, jede hinausgeschobene Innovation kann das Unternehmen die Existenz kosten. Und das nicht, weil die Produktion nicht mehr funktioniert, sondern weil

  • Entscheidungen aufgrund veralteter Informationen nicht oder nicht rechtzeitig getroffen werden,
  • Produkte aufgrund verlangsamter Entwicklungsprozesse nicht rechtzeitig auf den Markt kommen,
  • zu viel Geld und Zeit in Wartung und Betrieb veralteter IT-Anlagen fließt,
  • Investitionen in Innovationen zu kurz kommen.

IT-Systemhäuser waren und sind die direkte Schnittstelle zum Mittelstand

Ergo gilt: IT-Systemhäuser haben die historische Chance, nicht nur bei den IT-Entscheidern zu punkten. Dazu müssen sie aber mehr bieten als nur technische Details. Geschäftsentscheidern in mittelständischen Unternehmen, die nicht in den Details der IT-Welt stecken, aber anders als Entscheider in Großunternehmen und Konzernen oft bis in Details hinein an IT-Entscheidungen beteiligt sind, muss proaktiv gezeigt werden, was ihr Unternehmen mithilfe moderner IT-Betriebsmodelle, weitgehender Digitalisierung und aktueller Datenverarbeitungsmethoden leisten kann. Auf existenzielle Fragen muss aufmerksam gemacht werden.

Beispielsweise:

  • Wie sieht die zur Unternehmensstrategie passende IT aus?
  • Welche IT-Entwicklungen und IT-Trends bringen das Geschäft weiter?
  • Welche Prozesse müssen mit welcher Priorität in der IT „abgebildet“ werden?
  • Welche messbaren Ergebnisse bringt die IT?

Es muss klargemacht werden,

  • warum es sich lohnt, in aktuelle IT zu investieren,
  • warum der intelligente Weg nicht immer der Besitz der Maximallösung ist,
  • warum es beispielsweise sinnvoll sein kann, Spitzenlasten mit zugekauften IT-Diensten aus der Cloud abzufangen,
  • wieso es wichtig ist, Entscheidungen aufgrund der Informationen von heute auch heute zu treffen – und nicht erst nächsten Monat aufgrund der Informationen des zurückliegenden Monats.

Diese Vorgehensweise hilft auch den IT-Verantwortlichen in den Unternehmen, Brücken zu anderen Abteilungen zu bauen und zielgerichteter über den geschäftlichen Nutzen einer Investition in IT zu sprechen. Außerdem werden mittelständische Unternehmen so auch in die Lage versetzt, ihre IT nicht als komplexen, unbeweglichen Block zu führen – sondern als agilen Verbund von Funktionseinheiten, dessen Bestandteile austauschbar, flexibel erweiterbar und in ihrer Gesamtheit reaktionsfähiger sind als traditionelle Modelle.

Der Mittelstand liefert die Blaupause für das, was er von der IT-Branche benötigt

„Wer hat’s erfunden?“, so fragt der pfiffige Schweizer die saunierenden Finnen in einem wohlbekannten Kräuterbonbon-Werbespot. Und obwohl die Finnen als technologiefreudiges und innovatives Völkchen gelten, müssen sie zugeben, dass sie eben dieses besondere Bonbon nicht selber in die Welt gesetzt haben. Die Technologieaffinität der Finnen kommt übrigens nicht von ungefähr. Auch sie haben Anfang der 90er-Jahre mitten in einer Hochkonjunkturphase erkennen müssen, dass sie in einer Welt voller Risiken leben. Der aufgrund des Zusammenbruchs des Ostblocks erfolgte Absturz der Maschinen- und Schiffsbaunation ins Bodenlose zwang sie zur Umstrukturierung der gesamten Wirtschaft. Dies gelang nur mithilfe einer umfassenden Investition in IT. Aber zurück zur Erfinderfrage: Die mittelständische Wirtschaft und deren Unternehmen liefern der IT-Branche durch ihre Struktur, Anpassungsfähigkeit und Agilität die Blaupause für das, was sie an IT benötigen: Einfachheit, Kalkulierbarkeit, Transparenz und Flexibilität statt gewachsener „Monster-IT“, um die man sich neben dem Kerngeschäft kümmern muss. So lässt sich die Anforderung auf einen Nenner bringen. Nur eine flexible IT-Infrastruktur, die sich in ihrer Art und in ihrem Umfang flexibel am Servicebedarf des Geschäfts orientiert, kann für diese Unternehmen der Motor für zukünftigen Erfolg in einer globalisierten Welt sein.

Das Muster der disruptiven Innovation wird vorgelebt

Ein Vergleich aus der Natur versinnbildlicht das Folgende: Informationstechnologie beruht auf Naturwissenschaft und deren Erkenntnissen. Der Mittelstand als Wirtschaftssegment kann „modular“ agieren, wie ein Schwarm Fische. Er kann aufgrund seiner Struktur blitzschnell reagieren, kann als Gesamtheit auch die Verluste einzelner Individuen überleben und sich weiterentwickeln. Das Muster der disruptiven Innovation wird hier insofern vorgelebt, als individuelles Querdenken gerade im Mittelstand laufend neue Produkte und Geschäftsmodelle schafft. Und die müssen keine kompletten Neuerfindungen sein, sondern können durchaus auf Vorhandenem aufbauen.

Die IT-Branche erfindet vieles neu – aber nicht alles!

Weitblick, Offenheit, positives Denken, Ideenreichtum, Neugier und Freude am eigenen Geschäft und dessen Weiterentwicklung sind seit jeher die Triebfedern des Mittelstands. Kein Wunder, denn dahinter stecken oft genug Unternehmerpersönlichkeiten und -familien, die ihr Herzblut investieren und so auch ihre Mitarbeiter motivieren. Aus diesem Holz müssen auch die heutigen IT-Systemhäuser gestrickt sein. Nur so lässt sich auf Dauer Augenhöhe mit dem Mittelstand herstellen. Wenn IT-Systemhäuser in Zukunft als „Solution Enabler“ vom Mittelstand akzeptiert werden wollen, dann müssen sie den Kopf heben und die eigenen Kunden und deren Geschäft beobachten. Gewonnene Erkenntnisse gilt es aufzugreifen, auf die vom Mittelstand benötigten Anforderungen zu übertragen und diese Ideen und Handlungsweisen als verständliche Impulse und kreative IT-Lösungen in den Mittelstand zurückzugeben.