+49 7220 213 info@gf-vb.de
Talk: IT drives Business – Die heutige Rolle der IT

Mein inspirierender Talk mit Rainer Glatz

von Andreas R. Fischer

Am 22. August 2013 trafen sich in Ruhpolding zum insgesamt achten Mal Stakeholder zur Ricco Groß Golf Challenge. Es war mir ein Privileg, mit G+F gleich in doppelter Funktion bei diesem Event dabei gewesen zu sein. Neben Intel als Mitsponsor. Außerdem war ich angehalten, „live on Stage“ ein Gespräch mit dem Geschäftsführer des Fachverbands Software im VDMA, Rainer Glatz, zu führen. Unser Thema: „Die heutige Rolle der IT.“

Aus dem Fachpublikum heraus folgten unter anderem Thorsten Herrmann, Mitglied der HP Geschäftsführung, Ulrich Seibold, Channel-Chef der HP Enterprise Group in Deutschland, und die Direktorin des Sales Business Segments bei Intel, Astrid Steingrüber, unseren Ausführungen. Lesen Sie nachfolgend die Zusammenfassung. Speziell möchte ich auf das » Symbol aufmerksam machen. Hier hebe ich jeweils Kernaussagen hervor.

Fischer. „Im Rahmen eines Strategie-Meetings bei einem 1.200 Mitarbeiter starken Logistik-Dienstleister, an dem ich teilnahm, wurde unter anderem die Frage nach der ‚Risk of Vendor Login’ diskutiert. Herr Glatz, inwieweit hat die Abhängigkeit von einem Hersteller Einfluss auf die eigene Unternehmensentwicklung?“

Glatz. „Natürlich besteht hier eine – mal mehr, mal weniger starke – Abhängigkeit unter den beteiligten Unternehmen. Man kann es ganz gut mit einer Ehe vergleichen. Die Frage ist doch: Wie gestalte ich den Ehevertrag, damit ich im Extremfall trotzdem noch gut aus der Sache herauskomme? Habe ich gute Partner, die flexibel auf meine Anforderungen reagieren, dann ist alles wunderbar und ich muss mir keine größeren Sorgen machen. Zum Dilemma kann es dann werden, wenn ich als Entscheider mein Unternehmen weiter nach vorne bringen will, es sich tatsächlich weiter entwickelt, mein Partner aber nicht mitzieht bzw. nicht mitziehen kann.“

Fischer. „Maximale Verfügbarkeit, flexible Rechenleistung, dynamische Speicherkapazität, Testumgebung genau dann nutzen, wenn ich sie brauche – ist die sogenannte bedarfs- bzw. serviceorientierte Nutzung der IT Fiktion der Anbieter oder schon Realität im Markt?“

Glatz. „Serviceorientierung, ja. Die Bedarfsorientierung ist beim Hersteller aber noch nicht angekommen. Wir haben hier das Problem, dass unsere Mitgliedsunternehmen rein auf Wachstum ausgelegt sind und in Bezug auf die IT Lizenzmodelle nutzen.? » Gerade in der Krise hat man aber gesehen, dass es im Markt ein starkes Auf und Ab in der betrieblichen Auslastung gibt. Da wären wir ganz klar bei einer Bedarfsorientierung. Die wir allerdings momentan noch nicht in den Köpfen haben und die uns so nur unnötig Ressourcen kostet. Zukünftig muss hier ein Umdenken in den Unternehmen stattfinden. Wir müssen flexibler werden! Erreichen lässt sich das beispielsweise durch Virtualisierungslösungen. Damit können wir die vorhandene Hardware optimaler nutzen. Lässt diese sich doch frei skalierbar an die bestehende Auslastung anpassen und macht das Unternehmen flexibler.“

Zwischenbemerkung aus dem Auditorium: Hierfür sei doch die Cloud da sei, mit der sich Services heute virtuell mieten und nutzen lassen.

Glatz. » Meiner Meinung nach werden wir nie eine Welt haben, in der alles über die Cloud läuft. Wir werden immer Mischmodelle nutzen. In diesen wird die Cloud zwar eine große Rolle spielen, ebenso gibt es aber schlicht und ergreifend auch Bereiche, in denen ein Cloud-Einsatz keinen Sinn macht. Die Cloud hat in der Krise vieles verbessert, weil bisher bestehende Lizenzmodelle nicht länger omnipräsent waren. Sie ist aber nun mal kein Alleskönner.“

Weitere Zwischenbemerkung, diesmal von HP Channel-Chef Ulrich Seibold: „Herr Glatz, Sie vertreten ja auch die Meinung, dass der Maschinenbau selbst tätig werden und eigene IT-Kompetenzen in den Unternehmen entwickeln muss. Damit machen sie uns in der IT Angst. Wir haben jetzt schon nicht genug IT-Fachkräfte, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. Wie soll dies zukünftig aussehen, wenn der deutsche Maschinenbau mit seinen hohen Margen nun auch noch IT-Fachpersonal benötigt?“

Glatz.Angst möchte ich Ihnen natürlich keine machen. Ich denke aber, dass sich die IT-Welt auf kurz oder lang den Abläufen in der ‚normalen’ Industrie anpassen und den dort vorherrschenden Gesetzmäßigkeiten unterworfen sein wird. Dort ist es Gang und Gäbe, sich zusammen zu tun, um » eine gemeinsame Wertschöpfungskette aufzubauen. In der IT-Industrie – so habe ich die Erfahrung gemacht – versucht eher jeder gerne im Alleingang, sein eigenes Süppchen zu kochen und die Eier legende Wollmilchsau mit Flug- und Taucheigenschaften heran zu züchten, die dann im industriellen Einsatz beim Kunden nicht ausgelastet wird. Hinzu kommt, dass im Maschinenbau die Hersteller Alleinstellungsmerkmale haben, die ihre Produktion ausmachen. Spezielle Maschinen oder Vorgänge etwa. Hier spielt die notwendige Software eine große Rolle. Genau deshalb möchte man das eigene Know-how natürlich nicht aus der Hand geben und darum macht es zunehmend Sinn, sich hier das notwendige Fachpersonal ins eigene Haus zu holen.“

Fischer. „Ich bin der Meinung, dass das richtige Zusammenspiel der ‚Big Four’ Cloud, Big Data, Social Media und Mobility einen vollkommen neuen Blick auf das eigene Unternehmen und die Märkte ermöglicht. Neben der Optimierung der internen Geschäftsprozesse denke ich da außerdem an die Mitarbeiter – Stichwort „BYOD“ -, die Kunden – Stichwort „One Stop Shop“ -, die Nachhaltigkeit. Herr Glatz, jetzt sollten wir die IT-Industrie in die Pflicht nehmen. Der Weg muss weg gehen vom Produkt-Denken hin zum Service-Denken.“

Glatz. „Ich mag den Begriff Service-Denken nicht. Für mich ist das vielmehr ein Nutzen-Denken. Früher stand im Maschinenbau nur die Vermarktung der produzierten Maschine im Vordergrund. Heute werden zunehmend Dienstleistungen, die aus der Nutzung der Maschine resultieren, interessant bzw. verkäuflich. Ein Beispiel: Vor kurzem habe ich mit einem Kompressorenhersteller gesprochen, der schon relativ früh angefangen hat auch Druckluft zu verkaufen. Der macht sich gerade Gedanken darüber, wie er durch den Einsatz von IT und speziell auch Industrie 4.0-Technik seinen Betrieb optimieren kann.“

Fischer. „Wie verändern sich die Aufgaben und Rollen der Mitarbeiter, die in den IT-Abteilungen für die Umsetzung der IT-Anforderungen des Unternehmens verantwortlich sind?“

Glatz. „Das Ergebnis einer Diskussion über die Rolle der IT-Leiter im mittelständischen Maschinenbau war, dass » IT-Leiter immer mehr zu CPO’s werden, also ‚Chief Process Officers’. In vielen Bereichen sind sie die einzigen, die die Prozesse des Unternehmens noch in Gänze kennen. Als IT-Leiter müssen sie diese entwickeln, gestalten und supporten. Dadurch wird ihre Position, vor allem in den größeren Unternehmen, immer wichtiger.“

Fischer. „Privatsphäre versus Terrorkampf: Verursacht die Causa Snowden einen Paradigmenwechsel, oder geht alles weiter wie bisher? Welche Stimmung herrscht in den Unternehmen vor?“

Glatz. „Ich bin ja auch in der Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz tätig. Dort haben wir Anfang 2013 – also noch vor den Veröffentlichungen Snowdens – eine Umfrage getätigt, die sich mit dem Know-how-Schutz im Maschinenbau beschäftigt. Vorgestellt haben wir sie auf der Hannover Messe und es hat kaum jemanden interessiert. Nach PRISM und Co. war sie plötzlich von starkem Interesse. Die Umfrage zeigte, dass nur rund 10 Prozent unserer Firmen Dienste von Sicherheitsbehörden wie zum Beispiel BSI und Verfassungsschutz nutzen. Ich habe dann eine Pressemitteilung herausgegeben, die an die Maschinenbauer appellierte, für Selbstschutz zu sorgen. » Sie können sich nicht auf den Staat und nur bedingt auf Sicherheits-Tools verlassen. Dabei muss nicht zwangsläufig alles geschützt werden. Es reicht der Schutz des Kern-Know-hows. Elementar wichtig ist es, dass die Unternehmer und deren Mitarbeiter sich über das Problem klar werden, bewusster handeln, Sicherheitsrichtlinien in das Unternehmen einbringen und diese auch ‚leben’. Wir haben im VDMA Firmen, die keine USB-Sticks mehr verwenden, die ihre ausgedienten Festplatten schreddern lassen, extra Quarantänerechner betreiben und für intensive Sicherheitsschulungen der Mitarbeiter sorgen. Solche Unternehmen sind momentan aber noch in der Minderzahl. Viele schimpfen gerne und viel über PRISM und Co., verändern schlussendlich aber wenig bis nichts, um sich zu schützen. Wenn wir diese Betriebe dazu bringen können, bewusster mit potentiellen Sicherheitslücken umzugehen, dann kann und wird sich auch etwas verändern.“

Fischer. „Herr Glatz, meine letzte Frage: Wann können wir Unternehmer uns die IT-Welt – frei nach Pippi Langstrumpf – so machen, wie Sie uns gefällt?“

Glatz. „Wir müssen sie uns doch gar nicht machen. IT machen andere. Die Welt bietet uns die Infrastruktur und die Systeme an. Für mich ist wichtiger, wie ich die Welt zu meinem Vorteil nutzen kann. Ich möchte ja nicht plötzlich der ‚IT-Macher’ sein und alles selber programmieren und herstellen. Ich möchte einfach meinen Nutzen daraus ziehen können, wo ich ihn brauche. » Wir sind ‚Informationsveredler’. Das heißt, wir bekommen die Information und setzen sie dann zu unserem Vorteil ein. Ich muss nur wissen, woher ich meine Informationen beziehen kann. Und das wird uns durch die IT zunehmend einfacher gemacht.“

Über die Gesprächspartner:

rglatz
Rainer Glatz

Geschäftsführer der Fachverbände Software, Elektrische Automation sowie Produkt- und Know-how-Schutz im VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.

afi-portr-75
Andreas R. Fischer

G+F Verlags- und Beratungs GmbH

Geschäftsführer
Tel. 07220 213
Fax 07220 215
E-Mail: a.fischer@gf-vb.de
www.gf-vb.de