Dem digitalen Sekundentod von der Schippe springen!

Gestern war in unserem Unternehmen die IT nicht mehr, als ein unterstützendes Element. Unsere „ITler“ hatten die Aufgabe, sicherzustellen, dass alle „Prozesse“ (Netzwerk, Datensicherung, Internet, Server-Rundlauf, etc.) reibungsfrei funktionierten. Wenn sie nicht weiterkamen, wurde „Alex“, unser externen Dienstleister, angerufen. Objektiv betrachtet gab es auch Zeiten, in denen für mich als Unternehmer die IT mehr Fluch als Segen war. Meine Vorstellungen und Anforderungen waren nicht immer kompatibel mit den vorherrschenden Möglichkeiten. Probleme und Problemchen begleiteten viele Besprechungen und Diskussionen.

Ich glaube, dass es die Probleme und Problemchen auch weiterhin geben wird.

Aber, der aus meiner Sicht entscheidende Unterschied zwischen der IT von gestern und der Digitalisierung von heute ist, dass wir nicht mehr in Ursachen, sondern in Chancen denken können. Man muss sich einfach bewusst machen, dass es heute möglich ist, Unternehmensabläufe internetbasiert zu optimieren, bestehende Geschäftsfelder internetbasiert zu dynamisieren und/oder völlig neue Geschäftsmodelle internetbasiert zu entwickeln.

Das ist insofern spektakulär, als man sich, bzw. das Unternehmen, so in die Lage versetzt, operative und strategische Aufgabenstellungen digital miteinander zu verzahnen. Und um mehr geht es im Prinzip nicht. Außer vielleicht noch, dass dies für jedes Unternehmen, unabhängig von Branche und Größe, möglich ist.

Wenn ich so mein unternehmerisches Umfeld betrachte, werde ich allerdings das Gefühl nicht los, dass sich beim Thema Digitalisierung die Geister scheiden. Nicht wenige meiner geschätzten Kollegen, Geschäftspartner und Kunden aus kleinen, mittleren und mittelständischen Unternehmen zaudern, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Ok, wenn das Geschäft brummt, neigt man gerne dazu, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen und dabei die Zukunft auszublenden. Das hat im Augenblick sicherlich noch wenig Konsequenzen. Jaja, ich weiß, mancher Digitalisierungstheoretiker prognostiziert uns Mittelständlern zwar den digitalen Sekundentod, wenn wir unseren „Transformationsprozess“ nicht schon längst begonnen haben. Das halte ich dann doch für leicht übertrieben – möglicherweise ist diese Art der Panikargumentation schlicht ein probates Mittel, sich „lautstark“ in Szene zu setzen.

Aber im Ernst. Ich fände es sicherlich nicht sonderlich gut, wenn mir Mitarbeiter erklären würden, dass die in meinem Unternehmen vorhandene Infrastruktur ihnen keinen angemessenen Entfaltungsspielraum böte. Oder man stelle sich vor, Kunden wollen mit uns in Kontakt treten, bzw. interagieren und finden nicht die Kanäle vor, die sie tagtäglich nutzen. Und was ist, wenn mein Geschäft mehr Flexibilität erfordert, aber meine IT aufgrund starrer Strukturen die dringend erforderliche Flexibilität im Keim erstickt?

Noch mehr über mich selbst ärgern würde ich mich dann, wenn ein Marktteilnehmer sein Geschäftsmodell im Kontext der Digitalisierung so optimiert hat, dass es „durch die Decke geht“, während ich in meinem angestammten Tagesgeschäft verharre.„Bei uns hätte das auch funktioniert“, wäre sicher mein Gedankenreflex. Hätte, hätte Fahrradkette – hat es aber nicht. Und nur deshalb, weil mir nicht klar war, welches Potenzial, welche Chancen und Möglichkeiten in der Digitalisierung stecken. Wenn das ein Alptraum ist, möchte ich spätestens jetzt aufwachen.

Die Wahrheit ist, dass wir in unserem Unternehmen die Digitalisierung bereits leben und praktisch gestalten. Mit Haut und Haaren. Und das, obwohl wir kein Start-up sind, sondern „nur“ ein KMU mit über 20 Jahren Marktpräsenz. Wir sind weder langsam noch unflexibel! Im Gegenteil. Noch nie waren mir Heraklits Worte – „Nichts ist so beständig wie der Wandel“ – so nahe und präsent.

Im Kontext der Digitalisierung stellen wir unser Unternehmen konsequent auf den Kopf. Wir hinterfragen alle Abläufe, Strukturen und Kosten. Statt nach komplexen Lösungen zu suchen, testen wir auch „Quick-and-Dirty“-Ansätze.

Wir erfinden unseren Vertrieb und unser Marketing vollkommen neu. Wir gieren nach Geschäftsideen – jeden Tag. Wir probieren Neues aus – nicht selten über Nacht. Mal funktioniert’s, mal geht es komplett daneben. Und, ist das ein Problem? Doch nur dann, wenn wir es als solches und nicht als Chance verstehen.

Was meinen Sie? Wenn Sie Lust haben, tauschen Sie sich mit mir aus – via Fone, Hangout oder face-to-face. Oder machen Sie den digiBusiness-Check. Senden Sie mir Ihr Ergebnis zu und wir können gerne in medias res gehen. Zum Beispiel im Rahmen eines Workshops – bei Ihnen im Haus oder bei uns im Schwarzen Wald. In kleiner Runde, mit Ihren Mitarbeitern oder im Rahmen eines Roundtables zusammen mit Ihren Unternehmerkollegen. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

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Und so geht es weiter:
Im zweiten Teil meines Selbstversuchs möchte ich erläutern, welche Gründe ausschlaggebend waren, dass ich Akteur meiner eigenen Transformation wurde. Und dann geht es ans Eingemachte.